Wenn das Herz aus dem Takt gerät, merken Betroffene das oft erst spät. Treppen werden anstrengend, die Luft knapp, die Beine schwellen an – häufig als Stress oder Alterserscheinung abgetan. Tatsächlich kann sich dahinter eine ernsthafte Erkrankung verbergen: die Herzinsuffizienz. Dabei pumpt das Herz nicht mehr ausreichend Blut durch den Körper, Organe werden schlechter versorgt und Flüssigkeit kann sich ansammeln.
Allein in Deutschland sind etwa vier Millionen Menschen betroffen. Die Erkrankung ist eine der häufigsten Ursachen für Krankenhausaufenthalte und zählt zu den führenden Todesursachen. Herzinsuffizienz ist zwar chronisch und nicht heilbar – aber gut behandelbar, wenn kritische Verschlechterungen rechtzeitig erkannt werden. Genau hier setzt ein Unternehmen mit Sitz in Potsdam an: Die im Jahr 2021 gegründete Noah Labs GmbH entwickelt Softwarelösungen für die telemedizinische Betreuung von Menschen mit Herzschwäche.
Zuhören ermöglicht längeres Leben
Die Noah Labs GmbH hat ein intelligentes Frühwarnsystem entwickelt, das Ärztinnen und Ärzte bei der rechtzeitigen Behandlung unterstützt. Dafür braucht es weder Implantate noch Bluttests oder zusätzliche Untersuchungen – genutzt werden stattdessen leicht erfassbare Alltagssignale wie Atemmuster oder Veränderungen in der Stimme.
„Wie würdet ihr eurer Großmutter erklären, was ihr macht?“ Auf diese Frage antworten die Gründer von Noah Labs gern mit einem anschaulichen Bild: „Stell dir vor, dein Herz kann sprechen – und wir haben gelernt, seine Sprache zu verstehen.“
Denn wenn das Herz schwächer wird, lagert sich häufig Flüssigkeit im Körper ein, auch in der Lunge. Das kann die Atmung beeinflussen und wirkt sich auf die Stimme aus: Die Stimmbänder schwellen an, der Klang wird gedämpft und verändert sich – ähnlich wie bei einer Gitarrensaite, die nicht mehr frei schwingen kann. Die Stimme wird tiefer, oft lange bevor andere Symptome deutlich werden.
Und hier liegt der Ausgangspunkt für die Idee der Noah Labs GmbH. Patientinnen und Patienten nehmen regelmäßig kurze Stimmproben über ihr Smartphone auf. Ein KI‑gestützter Algorithmus analysiert feinste Veränderungen in Klang und Atemführung – oft schon Wochen bevor ein Krankenhausaufenthalt nötig wäre. Grundlage dafür ist ein weltweit einzigartiger Datensatz mit Millionen von Sprachproben, ergänzt um ausgewählte medizinische Messwerte. Erkennt das System frühe Warnsignale, werden die behandelnden Ärztinnen und Ärzte informiert, Therapien können rechtzeitig angepasst und schwere Krankheitsverläufe möglichst vermieden werden.
Von der Warnung zur Handlung
Doch das Unternehmen geht noch einen Schritt weiter. Künftig sollen auch Daten aus Herzimplantaten genutzt werden – kombiniert mit einem eigenständig arbeitenden KI‑System, das nicht nur eine Verschlechterung anzeigt, sondern konkrete Behandlungsempfehlungen gibt und damit den medizinischen Alltag spürbar entlastet.
Verlässliche Unterstützung für Ideen mit Herz
Innovationen wie diese entwickeln sich nicht allein im Labor oder am Schreibtisch. Sie brauchen Zeit, Perspektive und verlässliche Rahmenbedingungen, um wachsen zu können. Für die Entwicklung der digitalen Lösung von Noah Labs zur frühzeitigen Unterstützung von Menschen mit Herzschwäche stellte die ILB Fördermittel in Höhe von 1,2 Millionen Euro bereit und leistete damit einen wesentlichen Beitrag zu einem Gesamtinvestitionsvolumen von 1,6 Millionen Euro. Damit wurde unter anderem eine Studie zur KI basierten Stimmanalyse bei Patientinnen und Patienten ermöglicht, die wegen einer akuten Herzinsuffizienz im Krankenhaus behandelt werden.
So entsteht im Land Brandenburg Fortschritt – für die Gesundheit der Menschen, die hier leben.
