Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen in Deutschland

Die Corona-Krise hat eine der schwersten Rezessionen der Nachkriegszeit ausgelöst. Im Sommer 2020 zeichnete sich zwar eine schnelle Erholung ab, der erneute Lockdown Ende 2020 aufgrund der gestiegenen Infektionszahlen hat die Wirtschaft jedoch erneut stark unter Druck gesetzt. [1]

Eine Normalisierung der Wirtschaft ist in vielen Bereichen noch nicht absehbar. Hier kommt es stark auf den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie und speziell die Entwicklung der pandemiebedingten Einschränkungen an. Hinzu kommt eine mögliche (zumindest mittelfristige) Änderung des individuellen (Konsum-)Verhaltens bedingt durch die Corona-Pandemie.

Auch bereits vor der Corona-Pandemie war die deutsche Wirtschaft mit vielfältigen langfristigen Veränderungen konfrontiert. Hier sind der nötige Strukturwandel aufgrund technologischen Fortschritts (Digitalisierungstrend), der demografische Wandel und die Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft zu nennen. Diese Veränderungen bieten allerdings auch Chancen.

Insgesamt erfuhr die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr 2020, bedingt durch die Folgen der Corona-Pandemie, eine schwere Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt sank um 5,0 % sowie der Außenbeitrag um 1,1 %. Der private Konsum ging um 6,0 % zurück.

Der Jahresverlauf 2020 war gezeichnet durch einen starken Einbruch im zweiten Quartal sowie eines bemerkenswerten Aufholprozesses nach schrittweiser Rücknahme der pandemiebedingten Einschränkungen. So erreichte die deutsche Wirtschaft im 3. Quartal mit einem Plus von 8,5 % rund 96 % ihres Niveaus vom Schlussquartal 2019. Der erneute Lockdown im 4. Quartal dürfte jedoch zu einem Stopp dieser Erholung geführt haben.[2][3]

Auf dem Arbeitsmarkt zeigten sich die Folgen der Corona-Pandemie sowie der Maßnahmen zu ihrer Eindämmung sehr deutlich. Die stabilisierende Wirkung der Kurzarbeit hat vorerst einen höheren Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindert.

Im Jahresdurchschnitt 2020 lag die Arbeitslosenzahl bei 2.695.000. Dies ist eine Zunahme um 429.000 im Vergleich zum Vorjahr. Die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt stieg somit gegenüber dem Vorjahr um 0,9 Prozentpunkte auf 5,9 %.

Mit dem Beginn des ersten Lockdowns im März 2020 kam es zu einem historischen Anstieg der Kurzarbeit binnen kürzester Zeit. Im April 2020 waren knapp sechs Millionen Personen in Kurzarbeit (18 % aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten). In der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 lag hingegen der Höchststand bei 1,4 Millionen Personen.[4]

Die Stimmung an den Kapitalmärkten wurde in 2020 sowohl durch die Corona-Pandemie und deren wirtschaftlichen Folgen als auch durch eine Vielzahl von politischen Ereignissen geprägt. Hierzu zählen beispielsweise die Politik der amerikanischen Regierung Trump und die Ungewissheit über den Brexit.

Speziell die Corona-Pandemie führte an den internationalen Kapitalmärkten zu heftigen Turbulenzen. Die Preise vieler Wertpapiere brachen ein, die Liquidität trocknete temporär aus, und die Preisvolatilität erreichte ein Niveau, das zuletzt im Jahr 2008 verzeichnet worden war.[5]

An den Aktienmärkten kam es im März 2020 zu einem starken Kursrutsch im Zuge der Corona-Krise. So stürzte z.B. der DAX von fast 13.800 Punkten auf knapp 8.450 Punkte ab. Mittlerweile haben sich die Märkte jedoch erholt und nehmen eine starke wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Pandemie vorweg. So verzeichnete der DAX im Januar 2021 neue Höchststände bei etwas über 14.000 Punkten.[6]

Auf den Anleihenmärkten ergab sich ein ähnliches Bild. Nachdem Anfang März klar wurde, dass Europa nicht von der Pandemie verschont bleiben würde, zogen die Renditen in sämtlichen Segmenten und über alle Laufzeiten innerhalb weniger Tage hinweg deutlich an.

Die EZB reagierte darauf schnell und großvolumig. Sie weitete Ihre Wertpapierkäufe bereits im März 2020 aus und führte zur Stabilisierung der Märkte unter anderem ihr Pandemic Emergency Purchase Programmein.[7] Dieses umfasst 1,35 Billionen Euro bis Mitte 2021. Die EZB erweiterte ihr APP-Programm um 120 Milliarden Euro, und sie passte ihr TLTRO-Programm an. Hierdurch wurde nochmals klar, dass die Zentralbank mittlerweile der mit Abstand wichtigste Akteur an den Bondmärkten geworden ist und die Renditen an den Anleihemärkten im Wesentlichen von ihren Maßnahmen abhängen.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen im Land Brandenburg

Die wirtschaftliche Entwicklung im Land Brandenburg war ebenfalls von den Folgen der Corona-Pandemie geprägt. Diese wirkten sich unterschiedlich auf die einzelnen Branchen aus.

In den vorherigen Jahren war auf dem Arbeitsmarkt in Brandenburg eine positive Entwicklung zu verzeichnen gewesen. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen hatte sich zwischen 2010 und 2019 nahezu halbiert. Die Folgen der Corona-Pandemie unterbrachen in 2020 jedoch diesen positiven Trend. Im Jahresdurchschnitt 2020 kam es zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahl um 7,3 % auf 82.491 Personen – wobei es hier regional starke Unterschiede gab (z.B. Uckermark 10,7 % und Dahme-Spreewald 4,2 % Arbeitslosenquote).[8]

Nachfolgend Zahlen bis November 2020:[9]

Der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe ging im Jahr 2020 um 11,9 % zurück. Die Auslandsumsätze sanken mit 15,5 % noch stärker. Der Umsatz fiel insgesamt um 4,7 %.

Das Bauhauptgewerbe konnte sowohl beim Umsatz (+16,2 %) als auch dem Auftragseingang (+1,2 %) trotz Corona-Pandemie zulegen. Auch die Beschäftigung stieg in diesem Bereich um 4,7 %.

Der Einzelhandel konnte seine Umsätze um 7,7 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum steigern. Auch hier kam es zu einem Zuwachs bei der Beschäftigung (+1,8 %).

Im Dienstleistungsbereich gingen die Umsätze im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal im Durchschnitt um 5,2 % zurück. Die Zahl der Beschäftigten sank im Mittel um 3,4 %.

Gastgewerbe und Tourismus verzeichneten pandemiebedingt einen starken Einbruch. Die Zahl der Gäste im Land Brandenburg ging um 32,3 % zurück; die Zahl der Übernachtungen um 23,3 %. Der Umsatz (real) brach um 28,0 % ein. Die Beschäftigung ging um 9,5 % bei Vollzeitbeschäftigten und um 14,2 % bei Teilzeitbeschäftigten zurück.

Prognose

Aufgrund der Corona-Pandemie und deren unklaren weiteren Verlaufs sind aktuelle Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland mit einer sehr großen Unsicherheit behaftet.

Aktuell zeigt der konjunkturelle Verlauf ein zweigeteiltes Bild. Während der Dienstleistungssektor von den neuerlichen Einschränkungen des 4. Quartals 2020 stark betroffen ist, entwickelt sich die Industrie aktuell weiter relativ robust (Stand: Januar 2021).[10] Insgesamt wird die wirtschaftliche Entwicklung von der Dauer und Intensität der Einschränkungen abhängen, die zur Bekämpfung der Corona-Pandemie verfügt werden.

Die Bundesregierung geht im Jahreswirtschaftsbericht 2021 von einem Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts von 3,0 Prozent im Jahr 2021 aus. Die Erwerbstätigkeit soll demnach in 2021 stagnieren. Die deutsche Wirtschaftsleistung wird wahrscheinlich erst Mitte 2022 das Vorkrisenniveau erreichen.

Neben den aktuellen Herausforderungen der Corona-Pandemie ist zu berücksichtigen, dass die deutsche Wirtschaft von langfristigen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel, der fortschreitenden Digitalisierung und dem demografischen Wandel steht. Hier sind beispielsweise das Klimapaket der Bundesregierung und das Zukunftspaket zu nennen. Aktuell werden von Regierungsseite Anreize in den Bereichen Klimaschutz, Energiewende, Mobilität und Digitalisierung gesetzt. Damit sollen die Rahmenbedingen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft in 2021 sowie für deren Zukunftsfähigkeit geschaffen werden.[11] Es bleibt jedoch abzuwarten, ob die Maßnahmen greifen, und wie sich die Corona-Pandemie entwickeln wird.

Die Wirtschaft im Land Brandenburg leidet aktuell unter den Folgen der Corona-Pandemie. Zwar hat sich in der Gesamtschau die Lage der Wirtschaft wieder etwas verbessert, allerdings zeigen sich je nach Unternehmensgröße und Branche unterschiedliche Entwicklungen. So befindet sich zwar der Konjunkturklimaindex der IHK Berlin-Brandenburg im Januar 2021 bei 106 Punkten und somit weit oberhalb des Tiefpunktes von 2020. Dies verbirgt jedoch, dass der Klimaindex für kleine Unternehmen (unter 50 Mitarbeiter) nur 96 Punkte, der für große Unternehmen hingegen 117 Punkte beträgt. Auch beim Blick auf die einzelnen Branchen zeigt sich ein gemischtes Bild. So ist der Klimaindex im Dienstleistungsgewerbe seit Herbst 2020 gestiegen (von 105 auf 110 Punkte); der des Gastgewerbes hingegen brach von 75 auf 37 Punkte ein.

Gerade hinsichtlich der Geschäftserwartungen dämpft die aktuell herrschende Unsicherheit über die zukünftigen Entwicklungen die Stimmungslage. In allen Branchen in Brandenburg hat sich die Geschäftserwartung im Vergleich zum Herbst 2020 verschlechtert. Insgesamt schätzen 14 % der Unternehmen die Geschäftslage als eher günstig ein, 50 % als eher gleichbleibend und 36 % als eher ungünstig.[12]

Insgesamt ist davon auszugehen, dass Branchen, die aktuell stark von den Lockdown-Auswirkungen betroffen sind, auch in den nächsten Monaten weiter mit Einschränkungen zur rechnen haben und somit weiter geschwächt werden. Trotz Impfstoffkampagne ist – speziell vor dem Hintergrund auftretender Mutanten des Coronavirus – fraglich, ob nicht auch im Herbst 2021 wieder Lockdowns notwendig werden. Die Entwicklung der deutschen sowie der Brandenburger Wirtschaft hängt somit stark von der Eindämmung der Corona-Pandemie ab. Die ILB ist vorsichtig optimistisch, dass es spätestens ab dem Sommer 2021 wieder zu einer positiven Wirtschaftsentwicklung kommt.

Stand: März 2021