Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen in Deutschland

Nachdem die Corona-Pandemie im Jahr 2020 eine der schwersten Rezessionen der Nachkriegszeit ausgelöst und die wirtschaftliche Entwicklung stark gebremst hatte, konnte sich die deutsche Wirtschaft beginnend mit dem zweiten Quartal 2021 schrittweise erholen.

Durch die zunehmende Impfung großer Teile der erwachsenen Bevölkerung konnten weitreichende Öffnungsschritte in den zuvor eingeschränkten Wirtschaftsbereichen ermöglicht werden. Infolgedessen normalisierten sich die pandemiebedingten Verhaltensanpassungen der privaten Haushalte und somit die Konsumnachfrage merklich.

Dennoch störten weiterhin vielfältige angebotsseitige Engpässe die globalen Wertschöpfungsketten und dämpften zusammen mit bestehenden pandemiebedingten Einschränkungen erneut das Wachstum der stark in die globalen Wertschöpfungsketten eingebetteten deutschen Wirtschaft.

Insbesondere durch die teilweise Verschiebung der Industrieproduktion ins Folgejahr, aber auch die im vierten Quartal 2021 wieder stärker aufgekommene Unsicherheit über die zur Eindämmung der neuen Omikron-Virusvariante notwendigen Maßnahmen, blieb das Wachstum unterhalb der ursprünglichen Prognosen und lag 2021 lediglich bei 2,5 %. [1]

Der Arbeitsmarkt entwickelte sich in 2021 positiv. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote reduzierte sich im Vergleich der Jahre 2020 und 2021 von 5,9 % auf 5,7 %. Dies ist vor allem auf eine Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, den Rückgang bei Minijobs und Selbständigkeit, aber auch den stetigen Rückgang der Kurzarbeit zurückzuführen. [2]

Die Aktienmärkte haben sich im Jahr 2021 deutlich erholt und neue Höchststände verzeichnet. So erreichte z. B. der DAX mit fast 16.200 Punkten Mitte November 2021 ein neues Allzeithoch. Der Leitindex schloss das Jahr 2021 mit knapp 15.900 Punkten. [3]

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen im Land Brandenburg

Die wirtschaftliche Entwicklung im Land Brandenburg folgte 2021 dem positiven Trend auf Bundesebene. Wirtschaftsstrukturbedingt fielen die Aufholeffekte in 2021, ebenso wie die Rezession in 2020, aber verhaltener aus als ursprünglich prognostiziert.

Die Betriebe des verarbeitenden Gewerbes meldeten für 2021 eine deutliche Umsatzsteigerung von 9,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Auslandsumsätze legten in diesem Zeitraum um 13,3 Prozent zu.

Die Entwicklung war insgesamt aber recht divers: Während der umsatz- und beschäftigungsstärkste Wirtschaftszweig Brandenburgs, die Ernährungswirtschaft sowie der Maschinenbau, niedrigere Umsätze als im Vorjahreszeitraum verzeichneten, legten Chemieindustrie sowie Metallerzeugung und -bearbeitung teils deutlich zu.

Die Aufträge entwickelten sich deutlich positiv. Das Auftragsvolumen legte im Zeitraum Januar bis Dezember 2021 um 24,1 % zu. Die Inlandsaufträge stiegen um 28,0 %, Aufträge aus dem Ausland legten um 17,9 % zu. Die Zahl der Beschäftigten nahm zwischen Januar und Dezember 2021 um 1,6 % ab.

Bis Dezember 2021 lag der Umsatz des Bauhauptgewerbes um 3,5 % unter dem des Vorjahreszeitraums. Die Zahl der Beschäftigten nahm um 3,7 % zu. Die Auftragseingänge stagnierten auf Vorjahresniveau.

Von Januar bis November 2021 nahmen die Umsätze im Einzelhandel um 3,0 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Die Zahl der Beschäftigten stieg im gleichen Zeitraum um 1,3 %.

Das Gastgewerbe im Land Brandenburg musste im Jahr 2021 eine um 2,9 % gegenüber dem Vorjahr geringere Zahl der Gäste verzeichnen. Die Zahl der Übernachtungen ging um 0,3 % zurück. Die realen Umsätze im Gastgewerbe brachen bis November 2021 um 9,6 % gegenüber. dem Vorjahreszeitraum ein. Die Beschäftigung im Gastgewerbe schrumpfte um 12,1 % im Vergleich zum Vorjahr.

Im Bereich der Dienstleistungen sind die Umsätze im zweiten Quartal 2021 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 16,3 % gestiegen. Die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich um 3,3 %.

In den vorherigen Jahren war auf dem Arbeitsmarkt in Brandenburg eine langjährige positive Entwicklung zu verzeichnen gewesen. Die Folgen der Corona-Pandemie unterbrachen in 2020 jedoch diesen Trend. Im Jahresdurchschnitt 2020 war es zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahl auf 82.491 Personen bzw. 6,2 % gekommen. In 2021 konnte sich der Arbeitsmarkt aber wieder erholen. Die Anzahl der Arbeitslosen reduzierte sich per Dezember 2021 auf 71.763 Personen oder 5,4 % der zivilen Erwerbspersonen.

Im ersten Halbjahr 2021 wurden insgesamt 128 Insolvenzverfahren registriert. Das waren 33,7 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt sind 98 Insolvenzverfahren gegen Unternehmen eröffnet worden. Die voraussichtlichen Forderungen gingen um 68,7 %auf 39,0 Millionen Euro zurück. Im dritten Quartal 2021 stagnierte die Anzahl der Insolvenzverfahren gegenüber dem Vorjahr. Es wurden 71 Insolvenzverfahren registriert, wovon 52 Verfahren eröffnet wurden. Die voraussichtlichen Forderungen stiegen um rd. 2/3 auf 39,1 Millionen EUR. [4]

Prognose

Die Prognose der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung unterliegt auch für 2022 bedeutenden Unsicherheiten.

Erneut notwendig werdende, umfassende pandemiebedingte Einschränkungen (z. B. aufgrund neuer Virusvarianten) oder aber länger anhaltende Liefer- und Kapazitätsengpässe könnten die erwartete Entwicklung stark beeinflussen.

Hinzu kommen die Unwägbarkeiten der sich dynamisch entwickelnden politischen Krise im Zuge des Russland-Ukraine Krieges. Dieser wirkt sich negativ auf Unternehmen aus, die in diesen Ländern bzw. dieser Region Geschäfte betreiben (Wegfall von Absatzmärkten / Störung von Lieferketten). Zudem hat dieser Konflikt das Potential die Preise für Rohstoffe und Energie für alle Marktteilnehmer nachhaltig und längerfristig zu steigern und so eine erhöhte Inflation zu verfestigen.

Sollten diese Unsicherheiten schneller überwunden werden, eröffnen sich auch Chancen, dass die aufgestaute Konsum- und Investitionsnachfrage für einen dynamischeren Aufschwung sorgt.

Unabhängig von der Corona-Pandemie sowie dem Russland-Ukraine-Konflikt ist die deutsche Wirtschaft unverändert mit vielfältigen langfristigen strukturellen Veränderungen und Herausforderungen konfrontiert. Zu nennen sind hier neben dem demographischen Wandel vor allem die Transformation hin zu einer klimaneutralen und digitalen Wirtschaft. Insbesondere eine beschleunigte Digitalisierung bietet große Potenziale und Nachhaltigkeit muss in verschiedenen Dimensionen gesichert werden.

Mit der 2021 neu gewählten Bundesregierung verknüpfen sich dementsprechend große Erwartungen sowohl im Bereich der Pandemiebekämpfung, als auch bei der Beseitigung des empfundenen Reformstaus in wichtigen Politikfeldern. Erste Weichenstellungen zeichnen sich zwar im Koalitionsvertrag ab, sind aber noch wenig konkretisiert worden.

Zudem zeichnen sich durch den Russland-Ukraine Konflikt bereits jetzt stark veränderte politische Prioritäten und Notwendigkeiten ab, die Einfluss auf wichtige Reformvorhaben und Initiativen der Bundesregierung haben werden (z. B. Energiesicherheit / Verteidigung).

Noch ohne Berücksichtigung möglicher negativer Effekte des Russland-Ukraine Konfliktes sollte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) das Vorkrisenniveau aus dem vierten Quartal 2019 im Verlauf des ersten Quartals 2022 voraussichtlich wieder erreichen. Für das Jahr 2022 geht der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung von einem Wirtschaftswachstum von 4,6 % aus. Die Bundesregierung selbst plant mit 3,6% konservativer. Es besteht die Erwartung, dass sich die Lieferengpässe bis Ende 2022 auflösen.

Der positive Trend auf dem Arbeitsmarkt sollte sich demensprechend auch 2022 fortsetzen. Für das Jahr 2022 rechnet das DIW mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahl in Deutschland auf ca. 2,29 Millionen und einen entsprechenden weiteren Rückgang der Kurzarbeit.

Die Fiskalpolitik wird auch 2022 weiterhin unterstützend und eher expansiv ausgerichtet sein. Mit der zunehmenden Erholung der gesamtwirtschaftlichen Aktivität dürfte die Inanspruchnahme der pandemiebedingten Unterstützungsmaßnahmen aber zurückgehen.

Auch die Geldpolitik der EZB wird voraussichtlich 2022 die Wirtschaft weiter stützen, indem sie zu günstigen Finanzierungsbedingungen beiträgt. Mit der angekündigten Beendigung des Pandemic Emergency Purchase Program (PEPP) zu Ende März 2022 zeichnet sich aber ab, dass allmählich die geldpolitische Wende eingeleitet wird. Die endgültige Abkehr von der expansiven Geldpolitik wird aber erst erwartetet, wenn sich die in 2021 gesehenen hohen Inflationsraten nachhaltig verfestigen sollten und die EZB Ihr langfristiges Inflationsziel als gefährdet ansieht. Für 2022 prognostiziert die EZB mit 3,0 % zwar eine nochmals höhere Inflation, sieht aber langfristig weiterhin Werte unter 2 %.

Auch die Wirtschaft in der Metropolregion Berlin-Brandenburg sollte 2022 dem generellen Trend der wirtschaftlichen Erholung folgen. Wirtschaftsstrukturbedingt fallen die Prognosen für Ostdeutschland mit 3,6 % (ifo Dresden / IWH) aber etwas verhaltener aus.

Da in Brandenburg der Dienstleistungssektor für ca. 71,7 % der Wirtschaftsleistung verantwortlich ist, sind für die Prognosen insbesondere die Risiken aus eventuell erneut notwendig werdenden, umfassenden Einschränkungen infolge der Pandemie relevant, während die Liefer- und Kapazitätsengpässe weniger stark Einfluss nehmen.

Der Russland-Ukraine-Konflikt sollte für die Wirtschaft Brandenburgs überschaubare Auswirkungen haben. Beide Länder sind keine wesentlichen Exportländer für die Unternehmen aus der Region. Etwas anders sieht es bei den Importen aus. Auf Russland entfallen, bedingt durch hohe Importe an Erdöl und Erdgas, ca. 20,5 % der Importe.

Dementsprechend divers stellt sich auch die Lage und Erwartung der Wirtschaft in der Metropolregion Berlin-Brandenburg, je nach Unternehmensgröße und Branche, dar.

Das konjunkturelle Klima in der Metropolregion kühlt zu Beginn des Jahres 2022 ab. Im Vergleich zum vergangenen Herbst ist der Konjunkturklimaindex um sechs auf 116 Punkte gesunken. Hatte sich die Stimmung in der Wirtschaft seit dem Herbst 2020 von Umfrage zu Umfrage leicht aufgehellt, erfährt diese nun einen Dämpfer. Die Geschäfte verlieren verglichen zum Herbst 2021 etwas an Schwung. Die wirtschaftliche Erholung der letzten zwölf Monate pausiert zu Jahresbeginn.

Gerade hinsichtlich der Geschäftserwartungen dämpft die aktuell herrschende Unsicherheit über die zukünftigen Entwicklungen die Stimmungslage. In allen Branchen in Brandenburg hat sich die Geschäftserwartung im Vergleich zu 2020 verschlechtert. Insgesamt schätzen 13 % der Unternehmen die Geschäftslage als eher günstig ein, 62 % als eher gleichbleibend und 25 % als eher ungünstig.

Doch ist die Pandemie ihren direkten Effekten nach weniger konjunkturbestimmend als noch vor einem Jahr: Abgesehen vom Gastgewerbe und den persönlichen Dienstleistern, die die Last der Anticoronamaßnahmen überwiegend schultern, reagiert das Geschäftsklima der übrigen Branchen weniger deutlich auf die Coronadynamik. Bau- und Industriebetriebe kämpfen aktuell vor allem mit verlängerten Lieferzeiten. Praktisch alle Unternehmen verzeichnen steigende Kosten und können häufiger freie Stellen nicht besetzen. Neue Aufträge müssen daher abgelehnt und bestehende können nur verzögert abgearbeitet werden. Das kostet die Unternehmen Einnahmen, worunter ihre Investitions- und Personalplanungen leiden – und damit das Wachstum der gesamten Region.