Ein Mann mit Schutzweste und Bauarbeiterhelm. Er steht auf dem Rohbau einer Straße, hält einen Roverstab und tippt auf das Eingabe-Display.

GPS-Satellit für Baustellen

Hellmann Tiefbau GmbH

www.hellmann-tiefbau.de

Die Cottbuser Hellmann Tiefbau GmbH behauptet sich seit 1997 erfolgreich am Markt und beschäftigt 22 Mitarbeiter*innen. Das Leistungsspektrum des mittelständischen Unternehmens umfasst unter anderem Straßen-, Kanal- und Leitungstiefbau, Erd- und Abbruchvorhaben, aber auch Garten-, Landschafts- und Wegebau.

Mit Bandmaß und Messrad

Das Unternehmen benötigte bisher viele analoge Schritte im Verlauf eines Bauvorhabens. Auf Baustellen wurde mit Bandmaß, Messrad, Papierskizzen und Taschenrechner gearbeitet. Die händischen Abläufe waren zeitintensiv und fehleranfällig. Fehler konnten hier jedoch teure Folgen haben, denn die Daten waren erforderlich für Leistungsbeschreibungen, Angebote und Materialbestellungen.

Die Planungszeichnungen halfen den Kund*innen nur bedingt bei der Veranschaulichung ihres Bauprojektes. Die finalen maßstabsgetreuen Zeichnungen mit Vermaßungen entstanden aufwändig am Zeichenbrett. Bei der Rechnungserstellung wurden die Unterlagen für die Aufmaße mühevoll analog erstellt und verarbeitet. Auch hier waren Aufwand und Fehlerpotenzial hoch. Das Unternehmen beschloss: Es ist Zeit für die Einführung eines digitalen Systems.

Mit Roverstab und Software

Herzstück des neuen digitalen Systems ist ein sogenannter Roverstab. Dabei handelt es sich um ein Vermessungswerkzeug mit einem Empfänger für ein globales Positionsbestimmungssystem, so der etwas sperrige Name – besser bekannt als GPS. Wie in einem Auto bestimmt der Empfänger aus den Satellitensignalen in Echtzeit die eigene Position.

Damit kann das Gelände einer Baustelle bereits mit der ersten Einmessung lage- und höhenmäßig exakt und maßstabsgetreu erfasst werden. Papierskizzen und händische Berechnungen werden abgelöst durch ein Tablet und die mit dem Roverstab verbundene Software. Diese ermittelt die Flächen, Längen und Volumen.

Statt der Entwürfe zur Geländegestaltung werden den Kund*innen nun maßstabsgetreue computergestützte Planzeichnungen in 2D und sogar in 3D präsentiert. Die Geländeplanung wird mit den GPS-Koordinaten 1:1 auf das Roverstab-Tablet übertragen. Sind Änderungen erforderlich, können diese in Echtzeit direkt aus dem Büro an die Baustelle gesendet werden. Statt eines externen Vermessers erfolgt die Absteckung der Baustellen nun durch die Hellmann Tiefbau GmbH selbst – mit einer Toleranz von weniger als fünf Millimetern.

Auch das Aufmaß wird anhand der Daten des Roverstabes erstellt. Durch die hinterlegten GPS-Koordinaten ist es revisionssicher und durch die Möglichkeit der computergestützten Visualisierungen für die Kund*innen besser nachvollziehbar. Für die Rechnung müssen später lediglich die Daten aus dem Angebot anhand des Aufmaßes aktualisiert werden.

Realisierung mit Fördermitteln

Im Ergebnis werden in der Hellmann Tiefbau GmbH kleinteilige analoge Aufgaben durch einen digitalen Workflow abgelöst, der sich von der ersten Einmessung auf der Baustelle bis zur Rechnungserstellung im Büro erstreckt. Bis es soweit ist, müssen ein Roverstab und leistungsstarke Hard- und Software angeschafft und eine Reihe Mitarbeiter*innen dafür geschult werden.

Für das Digitalisierungsprojekt sind Investitionen von insgesamt fast 58.000 Euro erforderlich. Das Unternehmen erhält dafür über die ILB Fördermittel in Höhe von 28.000 Euro.

Perspektivisch soll der Roverstab als Basis für die Einführung des Building Information Modeling (BIM) in der Hellmann Tiefbau GmbH dienen. BIM ist eine Methode, um die Prozesse aller an einem Bauvorhaben Beteiligten zu verbessern. Durch digitale Vernetzung werden unter anderem Datenflüsse optimiert und Schnittstellen reduziert. Das erhöht die Qualität der Arbeiten, senkt die Kosten und macht das Unternehmen zukunftssicher.