„Mensch sein heißt Wohnen.“Diese Aussage stammt von dem deutschen Philosophen Martin Heidegger, der das Wohnen auch als „instinktive Tätigkeit der Menschen seit Anbeginn der Zeit“ charakterisierte. Menschen brauchen ihren Platz zum Leben. Die eigenen vier Wände geben Sicherheit, Geborgenheit und Integrität. Ohne Wohnraum bleiben den Menschen diese Grundbedürfnisse verwehrt.

Auch die Ansprüche an das Wohnen sind im Laufe des Lebens einem ständigen Wandel unterworfen. Während kleinen Kindern bereits der Platz im elterlichen Bett ausreicht, um glücklich und geborgen zu sein, bestehen Teenager auf räumliche Abgrenzung in einem eigenen Zimmer. Fühlen sich junge Singles in urbanen Wohngemeinschaften durchaus wohl, bevorzugen Familien eher viel Raum in einer grüneren Umgebung. Letztlich führt das Leben die Menschen im höheren Alter vielleicht in Einpersonenhaushalte zurück oder in besondere Gemeinschafts-Wohnformen.

Das Wohnen beeinflusst unseren Alltag. Es trägt wesentlich dazu bei, ob wir uns wohlfühlen und gesund leben – und bleiben können.

Dieser kurze Exkurs wirft nur einen kleinen Blick auf das Fundament dessen, was das Wohnen für uns bedeutet. Denn es geht nicht nur darum, dass wir wohnen, sondern auch wie wir wohnen. Erfüllt der eigene Wohnraum die individuellen, familiär und gesundheitlich bedingten Ansprüche? Entspricht die Miete oder die Finanzierung den finanziellen Möglichkeiten? Ist der Wohnort in der Nähe der Ausbildungs- oder Arbeitsstelle, von Kita und Schule oder zu den bereits betagten Eltern?

Das alles ist „ein zu weites Feld“, um mit Theodor Fontane zu sprechen, den wir im Jahr 2019 – dem hier vorgestellten Geschäftsjahr – so gewürdigt haben.

Wie sah es Anfang der 1990er Jahre aus im Land? Viele Gebäude, auch die in den neueren Siedlungen, waren stark renovierungsbedürftig. Das damalige Ministerium für Stadtentwicklung, Wohnung und Verkehr schätzte direkt nach der Wende den Instandsetzungsbedarf für die rund 1,1 Millionen Wohnungen im Land Brandenburg auf 111 Milliarden DM.

Hinzu kam ein prognostizierter Investitionsbedarf für den Neubau von jährlich 15.000 bis 18.000 Wohnungen in Höhe von 3,8 bis 5,0 Milliarden DM pro Jahr. In der Konsequenz der vom Land Brandenburg zur Erreichung der politischen Ziele bereitgestellten Mittel entwickelte sich die Wohnungsbauförderung zum damals größten Förderfeld der ILB.

Bereits in den Anfangsjahren 1991 und 1992 konnten insgesamt fast 74.000 Förderanträge mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde DM bewilligt werden. Von der Förderung „Aufschwung Ost“ profitierten 340.000 Menschen durch die Verbesserung ihrer Wohnverhältnisse.

Im Jahr 1993 bewilligte die ILB im Rahmen der Wohnungsbauförderung dann bereits mehr als 1,5 Milliarden DM und setzte damit einen ersten Meilenstein in der Wohnungspolitik des Landes Brandenburg.

Ab 1993 gab es zusätzliche Zuschüsse für den Bau und Erwerb von selbst genutztem Wohneigentum, wenn gleichzeitig Mietwohnraum freigezogen wurde. Die Zuschüsse waren sehr gefragt und die Jahresbudgets des Programms entsprechend schnell ausgeschöpft.

Stand: 28.05.2020