Wirtschaftliche Rahmenbedingungen in Deutschland

Im Jahr 2018 ist die deutsche Wirtschaft das neunte Jahr in Folge gewachsen. Allerdings fiel dieses Wachstum etwas schwächer aus als in den vorangegangenen Jahren. Nach den aktuellen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wuchs das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent (2017: 2,2 Prozent, 2016: 1,9 Prozent).

Angetrieben wurde die wirtschaftliche Entwicklung insbesondere durch die starke Binnennachfrage. Laut Statistischem Bundesamt stiegen die privaten Konsumausgaben und Bruttoanlageinvestitionen um 1,0 Prozent bzw. 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die staatlichen Konsumausgaben erhöhten sich im Vorjahresvergleich preisbereinigt um 1,1 Prozent. Der Außenhandel wuchs im Vergleich zum Vorjahr schwächer. Der preisbereinigte Export von Dienstleistungen stieg um 2,4 Prozent (2017: 4,7 Prozent), während die Importe im gleichen Zeitraum um 3,4 Prozent (2017: 5,2 Prozent) zunahmen. Der daraus resultierende negative Außenbeitrag trug 0,2 Prozentpunkte zum preisbereinigten Wachstum des BIP bei.

Getragen wurde die konjunkturelle Entwicklung 2018 durch die erneut positive Entwicklung des Arbeitsmarkts. Die Zahl der Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland erhöhte sich nach ersten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes um ca. 562.000 Personen bzw. 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Anstieg ergibt sich vornehmlich aus einer Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Unter Berücksichtigung ausgleichender altersbedingter demografischer Effekte stieg die Gesamtzahl der Erwerbstätigen von 44,3 Millionen auf 44,8 Millionen.

Der Staat setzte im Jahr 2018 seinen Konsolidierungskurs fort und erzielte einen Rekordüberschuss von 59,2 Milliarden Euro. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes betrug die am Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen gemessene Überschussquote 1,7 Prozent.

An den Kapitalmärkten vollzog sich im Jahr 2018 ein Stimmungswandel. Zu Beginn des Jahres überwog der Konjunkturoptimismus, der sich auch in einem Höchststand des ifo-Geschäftsklimaindex von über 105 im Januar widerspiegelte. Daher war die Erwartung für 2018 von weiter steigenden Aktienmärkten und wieder anziehenden Kapitalmarktzinsen weit verbreitet. Das Anleiheankaufprogramm der EZB, welches mitverantwortlich für das stark gesunkene Zinsniveau in Europa war, wurde zum Jahresbeginn 2018 im Volumen halbiert. Im Laufe des Jahres folgten weitere Reduzierungen der Anleihekäufe, sodass ab dem Jahresende 2018 lediglich Fälligkeiten durch Anleihekäufe ersetzt werden. Damit wurde ein erster Schritt zur Normalisierung der Geldpolitik der EZB eingeleitet, was auch die Erwartung steigender Zinssätze bzw. Anleiherenditen unterstützte.

Eine Reihe politischer Ereignisse, wie zum Beispiel die neuen beziehungsweise höheren Handelsbeschränkungen und Schutzzölle der USA, die Unsicherheiten rund um den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU), der Haushaltsstreit um Italien sowie die lähmende Migrationsdebatte haben im Jahresverlauf die Konjunkturstimmung in Europa deutlich eingetrübt und insbesondere im exportstarken Deutschland zu einer Wachstumsverlangsamung geführt. Dies führte zu Kursabschlägen an den Aktienmärkten, und der erwartete Anstieg der Kapitalmarktzinsen blieb aus. So lagen die 10-jährigen Swapzinsen am Jahresende mit ca. 0,8 Prozent leicht unter dem Vorjahresniveau. Bundesanleihen, als besonders sichere Anlageklasse, profitierten stärker von den politischen Unsicherheiten. Die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen fielen daher im Jahresverlauf um 0,3 Prozentpunkte bis auf ca. 0,2 Prozentpunkte.

Für die öffentlichen Haushalte, Unternehmen sowie den privaten und gewerblichen Wohnungsbau bedeutet das für 2019 weiterhin ein sehr günstiges Kapitalmarktumfeld aufgrund sinkender Zinsausgaben bzw. geringen Finanzierungs- und Investitionskosten.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen im Land Brandenburg

Seit dem Jahr 2003 verringert sich die Arbeitslosenquote im Land Brandenburg kontinuierlich. Diese erfreuliche Entwicklung des regionalen Arbeitsmarktes setzte sich auch 2018 fort. Zum Jahresende sank die Quote auf rund 5,9 Prozent – das niedrigste Niveau seit der deutschen Wiedervereinigung.

Die Gesamtzahl der Erwerbstätigen stieg im Jahr 2018 mit 0,7 Prozent weniger stark als im Vergleich zum Vorjahr (2017: 1,2 Prozent). Während die Zahl im Dienstleistungsbereich und produzierenden Gewerbe um 0,6 Prozent und 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr stieg, verzeichnete die Land- und Forstwirtschaft einen Rückgang um 3,7 Prozent.

Nach Angaben des Statistischen Landesamtes setzten die Brandenburger Industriebetriebe im Jahr 2018 mit insgesamt 23,9 Milliarden Euro 2,9 Prozent mehr als im Vorjahr um. Die Inlandsumsätze erhöhten sich dabei um 1,3 Prozent auf 16,5 Milliarden Euro, die Auslandsumsätze stiegen um 6,5 Prozent auf 7,4 Milliarden Euro.

Der amtlichen Statistik zufolge gab es für das Jahr 2018 erneut eine positive Auftragsentwicklung. Das Auftragsvolumen stieg – bei einem Auftragsrückgang im Inland von 4,8 Prozent und einem Zuwachs im Ausland von 9,1 Prozent – um insgesamt 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Das Bauhauptgewerbe konnte 2018 seinen Umsatz um 1,7 Prozent steigern, die Auftragseingänge erhöhten sich um 13,7 Prozent.

Nach den bisher vorliegenden Daten zeigte sich für 2018 eine positive Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes in Brandenburg. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes erhöhte es sich im ersten Halbjahr 2018 um 2,3 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017.

Prognose

Die deutsche Wirtschaft befindet sich weiterhin auf Wachstumskurs. In ihrem Jahreswirtschaftsbericht 2019 prognostiziert die Bundesregierung für das Jahr 2019 eine Zunahme des preisbereinigten Bruttoinlandsproduktes von 1,0 Prozent und einen Rückgang der Arbeitslosenquote auf 4,9 Prozent. Risiken aus dem außerwirtschaftlichen Umfeld sorgen allerdings dafür, dass sich das Wachstumstempo in 2019 voraussichtlich verlangsamen wird.

Das Anleiheankaufprogramm der EZB ist in 2018 ausgelaufen, Fälligkeiten der angekauften Anleihen werden aber weiterhin im Anleihemarkt reinvestiert. Daher wird den Kapitalmärkten noch keine Liquidität seitens der Notenbank entzogen. Die EZB hat signalisiert, auch nach Beendigung der Anleihekäufe den Leitzins für beträchtliche Zeit stabil halten zu wollen. Eine erste Leitzinsanhebung wird frühestens für die zweite Jahreshälfte 2019 erwartet. Angesichts der aktuellen politischen Unsicherheiten (Brexit, Zollbeschränkungen zw. USA, EU und China) sowie der damit verbundenen wirtschaftlichen Auswirkungen kann sich auch die lange erwartete Normalisierung der Leitzinsen verschieben. Ein starker und schneller Zinsanstieg wird aufgrund der Verankerung der Leitzinsen sowie der aktuellen ökonomischen Aussichten nicht erwartet.

Auch für das Land Brandenburg ist von einer weiterhin guten wirtschaftlichen Lage im Jahr 2019 auszugehen. Allerdings kündigt sich bereits das Ende der Hochkonjunkturphase an: Der Konjunkturklimaindex der Industrie- und Handelskammer Berlin und Brandenburgs verringerte sich zum Jahresstart 2019 um 4 Punkte auf 134 Punkte, nachdem er bereits im Herbst um einen Punkt gesunken war.

In Brandenburg bewerten rund 96 Prozent der befragten Unternehmen die derzeitige Geschäftslage als „gut“ oder „befriedigend“. Rund 87 Prozent gehen für 2019 von „eher günstigeren“ oder „eher gleichbleibenden“ Geschäftserwartungen aus. Bereits seit Sommer 2018 trübten sich die Geschäftserwartungen der Unternehmen ein. 13 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einer „ungünstigeren“ Geschäftslage.

Zentrale Herausforderung der regionalen Wirtschaft bleibt der Fachkräftemangel. Hinzu kommt eine Verschlechterung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.

Zusammenfassend zeigt der Report von Anfang 2019 folgende weitere Ergebnisse für das Land Brandenburg:

  • Stabiles Investitionsklima: Rund 79 Prozent der Unternehmen planen für das Jahr 2019 Investitionen. Zirka 91 Prozent dieser investierenden Unternehmen gehen hierbei von steigenden (41 Prozent) oder zumindest von gleichbleibenden (50 Prozent) Investitionsvolumina aus.
  • Gleichbleibende Beschäftigungserwartungen: 26 Prozent der befragten Unternehmen planen für das Jahr 2019 einen Beschäftigungsaufbau. 62 Prozent der Unternehmen rechnen mit einem gleichbleibenden Beschäftigungsumfang, 12 Prozent mit einem Beschäftigungsabbau.

Stand: 26.06.2019