Hefepilze sind mikroskopisch klein und daher mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen. Umso erstaunlicher ist, dass die Einzeller über Erfolg oder Miss­erfolg ganzer Brauereien entscheiden. Nur wenn die Konzentration der Hefe optimal und die Pilze lebendig sind, kann gutes Bier gebraut werden. Um den Zustand der Einzeller zu ermitteln, war bisher der Einsatz von Labor­mikroskopen und automatischen Zellzählern erforderlich.

Das Unternehmen Oculyze, eine Ausgründung der Technischen Hochschule Wildau, kann den Bierbrauern helfen, denn es hat ein innovatives Smart­phone-Mikroskop entwickelt. Es besteht aus einem Smartphone mit einem optischen Aufsatz, einer Bild­erkennungssoftware und einer Cloud zur Datenauswertung.

Die Funktionsweise ist recht simpel: Ein Tropfen Flüssigkeit wird auf einen Träger gegeben und zwischen eine kleine Optik und die Kamera des Smartphones geschoben. Das Smart­phone macht Fotos in vielfacher Vergrößerung, die Bilderkennungssoftware zählt die Zellen und rechnet das Ergebnis dann auf die gesamte Probe hoch.

Die erste App „Better Brewing“ zur Analyse von Hefen kostet nur einen Bruchteil von Labormikroskopen und automati­schen Zellzählern und analysiert Pro­ben innerhalb weniger Sekunden.

Doch die Hefepilz-App ist nur der Anfang. Das Minilabor soll zukünftig auch für automatisierte Auswertungen von Proben in der Medizin, der Landwirtschaft und bei der Überwachung von Abwässern oder in der Baubranche eingesetzt werden.

Oculyze wurde bereits mehrfach für seine Labor-Innovation ausgezeichnet, unter anderem im Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg und im Pitching-Event „NEXT ROUND: BRANDENBURG“.

Die Entwicklung des Smartphone-Mikroskops erforderte Investitionen in Höhe von 1,1 Millionen Euro. Die ILB förderte das Vorhaben aus Mitteln des Landes, der Europäi­schen Union und mit Eigenmitteln in Höhe von insgesamt 990.000 Euro. Seit 2017 ist die BFB Brandenburg Kapital GmbH, eine 100-prozentige Tochter der ILB, über den Frühphasen- und Wachstumsfonds an Oculyze beteiligt.