Bei der Schweinezucht gibt es ein Problem, von dem die wenigsten bisher etwas gehört haben dürften: Immer wieder kommt es vor, dass Muttertiere ihre Ferkel versehentlich erdrücken. Dies geschieht, weil sich ein Großteil der Tiere zum Ruhen nicht langsam ablegt, sondern sich einfach zur Seite fallen lässt. Kippen die Sauen mit durchschnittlich 200 Kilogramm Körpergewicht auf die Ferkel, haben diese keine Chance.

Um das zu verhindern, wurden in den 1950er Jahren sogenannte Abferkel­buchten konstruiert, in denen die Sauen ihre Ferkel zur Welt bringen und vier Wochen lang säugen. Doch was gut ist für die Jungtiere, ist schlecht für deren Mütter, denn die Sauen sind in den Buchten fixiert und können sich kaum bewegen.

Die Agrargenossen­schaft Beyern testet daher im Rahmen der Umstellung auf Bewegungsbuchten diese auf ihre Praxistauglichkeit und auf die Wirt­schaftlichkeit für konventionelle landwirtschaftliche Betriebe. Die Bewegungsbuchten bieten ein Drittel mehr Platz und ermöglichen es, säugende Sauen nach der Geburt nur noch sieben Tage – die Zeit der höchsten Ferkelverlustrate – zu fixieren.

Hierfür rüstete die Agrargenossenschaft fünf ihrer vorhandenen Stallabteile auf das neue Haltungssystem um und baute unter anderem ein Besucherpodest, um realistische Informationen zu tiergerechten Haltungsformen zu vermitteln und zu einer höheren öffentlichen Akzeptanz der konventionellen Schweinehaltung beizutragen.

Im Zuge der bisherigen Ergebnisse konnten in den Bewegungsbuchten die Ferkelverluste verringert sowie das Wohlbefinden und damit auch die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Sauen verbessert werden.

Auf 2,0 Millionen Euro beliefen sich die Kosten für die Projekte, welche von der ILB mit 1,1 Millionen Euro aus Mitteln des Landes, des Bundes und der Europäischen Union unterstützt wurden. Darüber hinaus wurden der Agrargenossenschaft 625.000 Euro über den ILB-eigenen „Brandenburg-Kredit für den Ländlichen Raum“ zur Verfügung gestellt.

Stand: 26.06.2019